Der Preis

Wann immer wir eine Sache kaufen, zahlen wir einen Preis. Der Preis ist das Ergebnis einer Kalkulation, in welcher ein Händler bzw. Anbieter seine Kosten, seinen Aufwand auflistet und einen Gewinn hinzufügt, von dem er lebt. Für eine Ware aus der Produktion sind in den Kosten zum Beispiel Lager-, Transport- und Verwaltungskosten, Roh- und Betriebsstoffe, Hilfsstoffe und natürlich auch Lohnkosten. Ähnliches bei Dienstleistungen: dort fallen ebenfalls Kosten für Hilfs- und Betriebsmittel an. Sobald ein Betrieb Angestellte hat, fallen auch dort Lohnkosten an, welche in der Regel den größten Posten in den Kosten ausmachen.

Somit sind Lohnkosten immer ein Teil des Preises und werden von jedem Kunden mitbezahlt. Dummerweise sind die meisten Kunden eben Arbeiter und Angestellte, die Lohn bekommen, also Empfänger der Lohnkosten sind. In einer gewissen Abstraktion betrachtet müssen also Arbeiter und Angestellter zwar den gesamten Preis für eine Ware zahlen, bekommen aber von eben diesem Preis nur einen Bruchteil. So wird der Vorgang unlogisch weil widersprüchlich und ist doch täglich milliardenfache Praxis.
Man könnte jetzt behaupten, ich möchte nur damit sagen, dass der Preis von vielen Dingen das Einkommen von Arbeitern übersteigt, das ist jedoch nicht der Fall.
Nehmen wir einen gleichbleibenden Preis einer Leistung von n € an. Dann sind in dem Preis (z. B.) 0,02‰ Lohn eines Einzelnen Arbeiters enthalten, der Rest verteilt sich auf die übrigen Produktionskosten, die Bereitstellungskosten und den Lebensunterhalt der/des Arbeitgeber/s und seiner Vorgesetzten. Kauft der Arbeiter ein Produkt, so zahlt er (vom Werksverkauf abgesehen) immer 100% des aktuellen Preises. Abhängig von der Menge die nun ein Mensch kauft und den Einnahmen, dem Lohn den er erhält, wird ihm somit nach und nach Vermögen entzogen.

Im Konkreten Fall wird es aber nicht logischer: Nicht immer haben Betriebe einen Personaleinkauf, bei dem die Mitarbeiter fertige Produkte des Betriebes günstiger kaufen können, z. B. eben unter Abzug eines prozentualen Anteils für die eigenen Lohnkosten. Dieser würde sich, auf alle produzierten Waren pro Zeiteinheit umgerechnet, sowieso nur im cent-Bereich bewegen, auch wenn man die Mehrwertsteuer berücksichtigt. Somit zahlt also der Angestellte, für ein Produkt, das er selbst (mit) produziert hat, einen Preis, in dem ein Bruchteil seines eigenen Lohnes steckt. Allein die Tatsache, dass er von dem Produkt nur verhältnismäßig geringe Mengen braucht und für diese den Preis zahlt, er jedoch eine wesentlich größere Menge mitproduziert hat, für die er den Lohn erhält, lässt ihn zunächst, als Bevorteilter hervor gehen, weil er ja wesentlich mehr verdient, als z. B. 1 Produkt kostet. Dennoch braucht ein Mensch pro Tag, pro Monat, pro Jahr viele Produkte und Dienstleistungen, um sich in dieser Gesellschaft lebensfähig zu halten.

Das bedeutet, dass der Kunde, der Arbeiter über die Zeit hinweg permanent einen Verlust erleidet. Selbst wenn man die Gewinne der Unternehmer wegnimmt, bleiben die sonstigen Kosten, welche zum Beispiel auch die Verwaltungskosten beinhalten. Zudem sind in den Lohnkosten die Löhne für alle Arbeiter enthalten. Würde man aus den Preisen diese sonstigen Kosten herausnehmen, könnten die Waren zum Beispiel nicht transportiert werden, weil der Transport ja nicht bezahlt wird. Gleiches gilt für Lager- und andere Kosten.

In keinem Fall jedoch wird der Preis nur die Lohnkosten enthalten. Die Formel Preis = Arbeiterlohn wird und kann es nicht geben. Damit bleibt ein Ungleichgewicht, ein Widerspruch, der in einem elementaren Teil des Systems manifestiert ist. Und das kann durch keine Reform aufgehoben werden.

Verzerrungen

Wie oben schon angedeutet, wird durch die Masse und die manifaltigen Unterschiede der Einzelpreise der Waren, der Löhne, der Geldkreisläufe und vieles weitere die Situation verzerrt, so dass diese Ungleichheit zwischen Preis und Lohn nicht sofort spürbar wird. Dennoch bleibt diese existent und ist letztlich einer der Gründe, warum in einem System, in dem Produkte und Diestleistungen zu Waren werden, zu Armut und Reichtum führt. Und das in jedem System, das am Handel und Lohnarbeit festhält.