Handel

Warum "Kein Handel" statt einfach "Kein Geld"?

Bargeld

Die Forderung "Kein Geld" kann missverstanden werden. Zunächst in der Beziehung, dass einfach Scheine und Münzen abgeschafft werden. Somit würde nur noch virtuelles Geld, oder für manche auch "Plastikgeld", existieren. Heute wird bereits vieles über die EC- bzw. Bankomat-Karte gezahlt. Auch über Handys werden zunehmend als Zahlungsweg angeboten. In den Börsen der Welt werden ja auch nicht tatsächlich Koffer oder Lkw mit Bargeld hin und her geschoben. Es sind lediglich Zahlen, die Werte darstellen, Geldwerte eben oder Geldsummen. Tatsächlich könnte man sich in den meisten Fällen von Bargeld, also Münzen und Scheinen, verabschieden. Doch das ist weder hier noch auf anderen Seiten der Wert-, Geld-, und Handelskritik gemeint.

Tausch

Die Parole "Kein Geld" könnte suggerieren, dass man den Wechsel hin zum Tausch Güter gegen Güter fordert. Tatsächlich ist es hier die Forderung jede Art von Handel abzuschaffen. Auch der Tauschhandel, also der direkte Tausch von Gütern (Stühle gegen Bananen, Tisch gegen Bettzeug, Haare schneiden gegen Keidung, usw.) ist inbegriffen.

Die oft postulierte Historie stimmt nicht, dass es zunächst nur Tauschhandel gab und dann das Geld, rein zur Erleichterung, eingeführt wurde. Diese Geschichte verlief anders, soll aber hier nicht das Thema sein. Wer das genau wissen möchte, den bitte ich selbst zu recherchieren. Literatur darüber gibt es genügend. Es soll aber deutlich machen, welcher Stuss uns über das Geld erzählt wird. Ein Abschied vom Geld wäre also nicht ein "Schritt zurück in den Tauschhandel". Diese Auffassung ist falsch und wird von oberflächlichen Menschen so lediglich vermutet und als Wahrheit verbreitet. Es ist kein Faktum.

Was bedeutet ‘Handel’?

Ein Handelsgeschäft erschöpft sich nicht darin, dass einer etwas gibt und danach etwas bekommt. Der Begriff von Handel wird auf Wikipedia (Handel) weiter gefasst. Die Grundlage dessen sind jedoch Handelsgesächafte, ohne die der Handel im weiteren Sinne nicht möglich wäre. Es gibt keinen Handel ohne Handelsgeschäfte. Diese sehen und erleben wir überall, egal ob wir ins Restaurant gehen und uns etwas zu Essen bestellen oder ob wir im Supermarkt Toilettenpapier kaufen. Niemand wird bestreiten, dass hier Handel bzw. Handelsgeschäfte stattfinden. Wir geben was und wir bekommen was. Wir geben Geld und bekommen etwas dafür. Diesen Vorgang nennt man kaufen. Ohne Ware gibt es nichts zum Kaufen. Wo ein Händler verkaufen kann, entsteht ein Absatzmarkt. Wo er seine Ware einkauft entsteht ein Beschaffungsmarkt. Ohne Handelsgeschäfte, Vertragsgeschäfte, also ohne Kauf und Verkauf, also ohne Handel, gäbe es diese Märkte nicht. Und so, wie auch auf Wikipedia dargestellt, sind sie bereits ein Teil des Handels, mit den Vertragsgeschäften (schriftliche, mündliche oder konkludente Verträge) als Grundlage.

Was aber geschieht, wenn wir kaufen? Die eine Seite gibt Geld, die andere eine Ware, ein Produkt. Es wird also getauscht. In diesem, allgemein üblichen, Fall wird Geld gegen Ware getauscht. Beim Friseur erhalten wir für unser Geld keine Ware, kein „Produkt“ im eigentlichen Sinne. Die Friseurin leistet (an) uns einen Dienst, in dem sie uns die Haare schneidet. Sie erbringt also eine Dienstleistung. Genauso die Ärztin und der Krankenpfleger, die Postbotin, der Masseur, der Taxifahrer, usw. Sie alle leisten an uns einen Dienst, der das eigentliche Produkt darstellt.

Aber auch der Trafikant, der Kiosk-Betreiber, der Verkäufer leistet einen Dienst, wenn er uns bedient. Das Geld, das wir ihm geben, bekommt er aber weniger seine Dienstleistung als mehr für ein Produkt, in jenem Fall wahrscheinlich Zigaretten oder Zeitungen.

Ein kollektives Produkt

In jedem Produkt, auch in den Zigaretten, steckt Arbeit. Auch wenn sie maschinell hergestellt worden sind, so arbeiten in der Zigarettenfabrik doch Menschen, welche die Maschinen beaufsichtigen und versorgen: Die Maschinen müssen gewartet werden, Material muss nachgefüllt werden, das fertige Produkt abgepackt – manchmal, je nach Anlage - das bereits abgepackte Produkt aus der Maschine genommen und auf Paletten gestapelt werden; diese müssen für den Transport vorbereitet werden und vieles mehr. Die Maschinen zur Herstellung des Produkts selbst beinhalten für sich bereits schon vergegenständlichte menschliche Arbeitskraft, welche in das Produkt, das die Maschinen produzieren, einfließt. Sie mussten ja schließlich selbst irgendwann hergestellt werden. Menschenleere Fabriken gibt es derzeit nur wenige auf der Welt. Und selbst diese benötigen zu ihrer Errichtung und zur Kontrolle immer noch menschliche Arbeitskraft.

Die Zigaretten (zum Beispiel) sind somit das kollektive Produkt von Arbeitszeit, Arbeitskraft vieler Menschen und Materialien (Roh- und Hilfsstoffe: Papier, Tabak, Filter, Schmiermittel für die Maschinen, Kleber für das Produkt selbst, evtl. Kühlmittel, Strom, uvm.) Es wurde also Arbeit geleistet. Eine Schachtel Zigaretten stellt somit nicht nur das Produkt an sich, sondern auch eine erbrachte Arbeitsleistung, eine Leistung dar, ein Produkt, ein Gut.

Die Arbeitskraft in einem Produkt ist also nicht nur die Arbeitskraft derer, die konkret daran arbeiten, sondern die Arbeitskraft eines Teils wenn nicht sogar der ganzen Gesellschaft. Arbeiter bedienen Maschinen, die von Menschen mittels anderer Maschinen gebaut worden sind. Diese Arbeiter müssen essen, wohnen, sich kleiden, … Auch die Nahrung muss mit oder ohne Maschinen von Menschen hergestellt werden, etc.

Diese Abstraktion kann man nun auf alle Produkte übertragen, welche auf dem Markt angeboten werden. Also stellt jedes Produkt, jede Dienstleistung, eine konkrete einzelne wie auch eine kollektive gesellschaftliche Leistung dar.

Anmerkung:

Die Definition von gesellschaftlicher Arbeit nach Karl Marx ist etwas anders. Er meint damit den durchschnittlichen Aufwand an Arbeit (Zeit und Kraft), die für ein bestimmtes Produkt benötigt wird, in Abhängigkeit des (arbeits)technischen Entwicklungsstandes der jeweiligen Zeit und der jeweils berücksichtigten Region(en).