Aufrechnung

Wenn Leistung und Gegenleistung vereinbart, verhandelt wurden, wissen am Ende beide Handelspartner, wer wann welche Gegenleistung für welche Leistung zu bekommt: der Preis wird festgelegt. Die Leistungen werden bzw. wurden gegeneinander aufgerechnet. Das heißt, dass der jeweilige Eigentümer einer Leistung bereit ist, für die vereinbarte Gegenleistung sein Eigentum aufzugeben. Für den Eigentümer kann die Gegenleistung die er erhält, den gleichen Wert haben, wie die Leistung die er gibt. Empfindet einer der beiden, dass er einen höheren Wert bekommt, als er gibt, empfindet er den Einkauf als günstig oder billig (natürlich auch, wenn der Preis niedriger ist als bei der Konkurrenz). Empfindet er umgekehrt, dass er einen höheren Wert gibt, empfindet er ihn als teuer. Das er seinen Wert dennoch gibt, liegt an der subjektiven oder objektiven dringlichkeit seines Bedarfs an der Gegenleistung.
Das ist zunächst die Aufrechnung, die jeder der Handelspartner vornimmt.

Misstrauen 

In der Regel wird es jedoch so sein, dass keiner der beiden Handelspartner einen materiellen Verlust hinnehmen möchte oder diesen zumindest so gering wie möglich halten. Für Möglich gehalten wird es unterschwellig, dass der Handelspartner sich einen "ungerechtfertigten" Vorteil verschaffen möchte. Daher wird eine monetäre Bewertung vorgenommen. Für die meisten Waren existieren in einer Warenwirtschaft ohnehin bereits übliche Preise. Es herrscht ein latentes, gegenseitiges Misstrauen. Daher wird eine Aufrechnung des monetären Wertes unter Berücksichtigung der Dringlichkeit des Bedarfs vorgenommen.

Grobes Beispiel: Handelspartner A hat von der Leistung L(A) eine bestimmte Menge und/oder Qualität gegeben und erwartet von Handelspartner B dafür eine bestimmte Menge und/oder Qualität der Gegenleistung L(B).

Nehmen wir an, bisher war es üblich, für eine Einheit der Leistung L(A) bei gleichbleibender Qualität zwei Einheiten der Leistung L(B) zu geben. Der Preis für eine Einheit der Leistung L(A) kann nun steigen, wenn sich die Anzahl der Nachfrager erhöht oder der Bedarf entsprechend dringlich ist (dringend gebraucht wird), so dass die Nachfrager, die Kunden, bereit sind, regelmäßig 3 Einheiten der Leistung L(B) in gleicher Qualität zu geben. Dann ist der Preis gestiegen. Der Preis wird wieder sinken, wenn die Nachfrage zurück geht (die angebotene Leistung keine Abnehmer, weniger Absatz findet) und/oder das Angebot steigt (z. B. durch mehr Anbieter = Konkurrenz).

Wenn A den Preis erhöht, stellen sich für B mehrere Fragen: bekomme ich die Leistung wo anders billiger oder zum üblichen Preis? Warum hat A den Preis erhöht? Will er mich bzw. meinen Bedarf ausnutzen, um sich zu bereichern?

Bekommt B die Leistung L(A) nicht günstiger und ist die Dringlichkeit entsprechend hoch (emotional oder durch eine sachliche Notwendigkeit begründet), wird er den Preis dennoch zahlen, auch wenn er ihn als "ungerecht" empfindet. Für A ist ein Handelsziel erreicht. Er hat mehr Einnahmen erzielt. Ob der höhere Preis "gerechtfertigt" ist oder nicht ist eigentlich egal. "Gerechtfertigt" ist er allemal durch die Gesetze des Marktes, der Warenwirtschaft. 

Umleitungen

Es ist auch durchaus möglich, dass jemand die Gegenleistung über dritte erhält. Dabei findet, ganz abstrakt betrachtet – immer noch – nur ein Austausch von Leistungen statt (Güter, Geld, Dienstleistungen, Rechte (wobei nicht das Recht selbst die Gegenleistung darstellt, sondern das Zugestehen, das Gewähren eines Rechts)). Handel bedeutet also den Tausch einer Leistung für eine Gegenleistung, ganz egal welche Form die Leistung oder die Gegenleistung hat oder welchen Weg sie nimmt. Synonym kann aber auch der Austausch von Geldwerten genannt werden, weil Geld ja Wertmaßstab und Zirkulationsmittel ist. Beim Lesen von Handelsbilanzen wird deutlich, dass es um den Nutzen der Waren, die Güter, die Produkte selbst, überhaupt nicht mehr geht, sondern allein nur noch um den monetären Wert.

Für die Handelspartner lautet die Kernfrage also: Unter welchen Bedingungen ist ein Eigentümer einer Leistung bereit, sein Eigentum an dieser aufzugeben? Doch nur dann, wenn er dafür eine bestimmte Gegenleistung erhält, welche Form diese Gegenleistung auch haben mag. Sicher wird dafür in der Regel Geld erwartet, es kann aber auch eine andere Dienstleistung oder eine andere Ware sein, die er vielleicht wiederum verkaufen kann. Für den Händler selbst ist wichtig, keinen monetären Verlust zu erleiden oder noch besser, Gewinn zu generieren.

Zuwendungen

Auch bei Korruption muss nicht immer Geld fließen, es können auch andere, meist monetär messbare Vergünstigungen sein (Flugreisen, Übernachtungen in teuren Hotels oder auch Ausbildungen für die Nachkommen, etc. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Auch Lehrabschlüsse, bevorzugt an Universitäten, können so ‘erkauft’ werden, wenn zum Beispiel das Studium der Kinder eines Ministers von  Unternehmen ‘gesponsert’ werden, vielleicht für eine Baugenehmigung, für die Stimme bei einer Abstimmung, etc.)

"Gerechtigkeit" 

Ist es "gerechtfertigt", dass Menschen, die sich um das Leben, das Wohlergehen anderer Menschen kümmern Lohn erhalten "müssen", um sich ihr eigenes Leben erhalten zu können? Sollten diese Menschen nicht eher alles bekommen, was sie für sich brauchen und wünschen, während sich die Menschen der Gesellschaft, die sich um deren Wünsche und Bedürfnisse kümmert, sicher sein können, dass sie bei Bedarf von diesen speziellen Menschen nach bestem Wissen und Können gepflegt und versorgt wird? Oder diese sich um die Kinder, die Zukunft, kümmern? Aber wo ziehen wir die Grenzen? Sind die Menschen, welche jene Menschen versorgen, die sich um Menschen kümmern, nicht genauso "Wertvoll"? Wo beginnen wir, wo hören wir auf?

Aus diesem Grund ist es nicht oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen möglich, Teilbereiche aus dem Handel auszunehmen.

Daher ist "Gerechtigkeit" ein relativer Begriff, tatsächlich geprägt von Kapitalisten zur Augenwischerei für die Beherrschten.

In einer handelsfreien Gesellschaft sind diese Bewertungen und Beurteilungen nicht notwendig. Die Versorgung für jeden ist gewährleistet, weil jeder daran mitarbeitet.