Die angeblich natürliche Gier des Menschen

Angeblich wird der Mensch von der Gier zum Kaufen getrieben. Eigentum anzusammeln ist demnach ein Trieb, ein unkontrollierbares Verlangen nach materiellem Besitz. Haben um des Habens willen, Besitz um des Besitzes willen. Was dem Menschen gehört, ist ihm schon nicht mehr genug. Immer mehr muss er haben. Maßlos, Rücksichtslos. Aus diesem Grund müssen wir ständig kaufen. – Ist das so?

Die Industrie, der Handel, versucht nun mit allen mitteln diesen Trieb zu stillen und uns ständig mit neuen Produkten zu versorgen. Um uns zu zügeln haben sehr intelligente Menschen den Handel eingeführt, damit wir nur so lange kaufen können, wie unser Geld reicht. Deshalb dürfen auch nur ganz bestimmte Menschen reich werden, die mit Geld und ihrer Gier umgehen können.

So anscheinend die Sichtweise derer, die uns die “natürliche Gier” des Menschen als Grund dafür vorhalten, dass wir permanent kaufen. Und Sonderbarerweise wird diese “Gier” auch wohlwollend am köcheln gehalten, denn ganz nebenbei verdienen sich einige an dieser Gier dämlich. Und ausgerechnet von denen, die daran verdienen, wird uns eben erzählt, der Mensch sei von Natur aus gierig. Welch Zufall!

Und gerade der letzte Satz der Einleitung beinhaltet zudem den Glauben an einen "natürlichen Elitarismus". Ebenso erzählte der Adel den Untertanen, dass es die gottgewollte Ordnung sei, welche den sozialen Status eines Menschen definiere und an seinen Platz setze. Und diese Ordnung (des allmächtigen Gottes) müsse von Menschen mit Waffengewalt verteidigt werden. Ich sehe hier durchaus parallelen.

Zurück zum Thema:

Aber was ist denn nun mit dieser Gier? Oder anders: warum kaufen denn die Menschen immer neue Sachen, obwohl sie es nicht bräuchten?

In dieser Frage sind schon mal mehrere Vermutungen über die Lebensumstände Anderer enthalten, die grundlos als gegebenes Wissen angenommen werden (so entstehen Klischees). Zum Beispiel die Vermutung, dass jemand, der eine Sache kauft, diese nicht braucht, weil er – eine weitere der üblichen Vermutungen – eigentlich genügend hat. Da wir die meisten Menschen, die wir im Supermarkt, (im Handy-Shop, in der Boutique …) sehen nicht persönlich kennen, kennen wir auch nicht deren Lebensumstände. Die Annahme, dass sie die gekauften Sache nicht benötigten und sie nur aus reiner Gier kaufen sind reine Unterstellungen. Ob sie diese die Sachen brauchen, wissen wir nicht. Diese Unterstellung rührt also daher, dass wir unsere eigenen Lebensumstände auf andere projizieren. Das ist natürlich Unsinn, weil jeder andere Lebensumstände hat.

Lassen wir die Vermutungen weg, kommen wir auf die eigentliche Grundfrage: (Ich möchte auch diesen Abschnitt kürzen und gleich zum Kern vorstoßen:)

Die Kernfrage lautet doch:


Was braucht der Mensch?